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Dezember 2020 Zwischenmenschliche Probleme klären
Liebe Geschwister,
das Leben bietet zahlreiche Gelegenheiten, mit einem Mitmenschen in Streit zu geraten. Größere Probleme tauchen immer dann auf, wenn sich eine Partei ständig gestört oder angegriffen fühlt. Egal von was auch immer. Eine permanente Störung lässt sich dann jedoch nicht mehr so einfach aus der Welt schaffen, denn meist kann der Gestörte einer Konfrontation mit dem Störenfried nicht so einfach aus dem Weg gehen.
Einen böswilligen Unruhestifter, der in der Nachbarschaft wohnt oder einen mobbenden Arbeitskollegen kann man jedoch, wenn dieser sein Unwesen treibt, nicht so einfach ignorieren. Irgendwann rastet der Genervte aus und damit beginnt der Nervenkrieg oft erst richtig. Beschwerden, Zurechtweisungen oder Beschimpfungen bewirken in einer schon verfahrenen Situation eher das Gegenteil. Die Frage sollte jedoch nicht lauten: Wie kann das Problem beseitigt werden, sondern, was kann ich an mir ändern, damit es mich nicht mehr aufregt?
Leider glauben viele Menschen, wenn sie mit jemandem im Streit zusammengeraten, weil dieser sich ungebührlich verhält, dass sie selbst nichts damit zu tun hätten. Opfer und Täter haben jedoch immer einen Bezug zueinander. Auch wenn sich die Kontrahenten noch nie in einem Leben begegnet wären, so ziehen sie sich doch gegenseitig durch ihre ähnlich gearteten inneren Blockaden an. Gleiches zieht Gleiches an, weshalb einer dem andern als Spiegel erscheint. Sobald sich die Blockade bei einem der Beiden auflöst, besteht keine Anziehung mehr zwischen ihnen und das Problem verschwindet. Es ist gut, dies zu wissen.
Wer sich schnell aus der Ruhe bringen lässt und dann auch noch gereizt reagiert, findet immer einen Gegenspieler zum Streiten. Den hochkochenden Ärger gewaltsam zu unterdrücken kann gesundheitliche Folgen haben und dem Problem durch Flucht aus dem Weg zu gehen, ist auch keine Dauerlösung, denn an anderer Stelle kann schon der nächste Konflikt warten. Solange die inneren Ursachen nicht bereinigt sind, solange taucht auch immer wieder neuer Ärger auf.
Wenn eine Kausalkette durchbrochen werden soll, muss der Geplagte lernen, auf Angriffe nicht mehr verärgert, beleidigt oder gekränkt zu reagieren. Er muss verstehen, dass sein Peiniger selbst ein großes Problem hat und auch nur aus seinem Schmerz heraus entsprechend unangemessen reagiert. Wer jedoch nichts aus seinen schlechten Erfahrungen lernen kann, dem fehlt es einfach am Verständnis und vielleicht auch an der nötigen menschlichen Reife. Wer es jedoch satt hat, sich ständig über seine Mitmenschen zu ärgern, muss sich seinen wiederkehrenden Problemen und den inneren Ursachen stellen.
Es ist sehr hilfreich, sich selbst bei einem Gefühlsausbruch zu beobachten, um den Grund herauszufinden, warum das zum Streit führende Gefühl gerade aufgetaucht ist. Es können aufsteigende Wut über erfahrene Erniedrigungen, Zurückweisungen, Missachtung, Missbrauch, Schuld, Scham usw., alles Ursachen sein, die ihre Wurzeln immer in der Vergangenheit haben. Es gilt sodann, die Gründe für diese tiefsitzenden Verletzungen herauszufinden und schonungslos anzuschauen, damit der darin eingeschlossene Schmerz ausheilen kann. Sein Ego möglichst von allen negativen Anhaftungen aus der Vergangenheit zu befreien, bringt den ersehnten inneren Frieden.
Taucht dann doch wieder mal ein Problem auf, hilft es schon, anders als üblich zu reagieren, um den Kontrahenten zu irritieren. Wenn dieser keinen Gegner mehr findet, weil keiner mehr auf seine Belästigungen eingeht, verliert er schnell das Interesse und lässt von seinem Opfer ab. Ein Problem über das Herz anstatt über den Solarplexus zu lösen, erspart eine Menge Ärger. Mit offenem Herzen und klarem Verstand zu reagieren, zieht außerdem Freude und neue Freunde ins Leben.
Viel Glück bei der Selbstfindung.
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