Juli 2021

Verzichten kann man lernen

 

 

Liebe Geschwister,

 

von Zeit zu Zeit wird es nötig, eine Bestandsaufnahme über das eigene Leben, über unser Verhalten in der Gesellschaft und vor allem auch von den Dingen, die wir über die Jahre angehäuft haben, zu machen. Wir bilden uns ein, dies und jenes haben zu müssen, weil wir es irgendwo gesehen haben und es schön fanden, oder wir haben uns schon als Kind etwas gewünscht, aber nicht bekommen. Oder wir schoppen aus Langeweile oder suchen nach einem Liebesersatz.

 

All die Dinge landen irgendwann in Schränken, Schubläden, Kellern oder Lagerräumen. Manchmal wissen wir gar nicht mehr, was wir alles besitzen. Irgendwann waren die Dinge für uns wichtig sie zu bekommen, doch dann, wenn wir es genossen haben, verlieren wir schnell das Interesse daran. Im Lauf eines langen Lebens jedoch wachen wir inmitten eines riesigen Warenlagers auf und haben das Gefühl, im Müll zu ersticken.

 

Da wir ständig nach etwas Neuem Ausschau halten oder durch eigene Kreativität unser Lagerbestand sich immer mehr vergrößert, beginnen wir uns zu fragen, warum wir diese Dinge denn haben mussten. Wenn wir dann in einem Anfall von klar Schiff machen beginnen auszumisten, z.B. alte Klamotten und sie dann los geworden sind, fühlen wir uns von einer großen Last befreit. Ein schlechtes Gewissen beschleicht uns, wenn wir uns vorstellen, unsere Erben müssen nach unserem Ableben hinter uns aufräumen. Dafür würden wir dann sicherlich kein Lob ernten.

 

Um unsere Hinterlassenschaften zu ordnen, sollten wir schon frühzeitig damit beginnen, uns von Überflüssigem zu trennen. Meist jedoch hängen wir an den Dingen und können nicht loslassen, warum eigentlich? Durch unsere Sammelleidenschaft haben wir uns Wünsche erfüllt und wenn wir uns nicht erlaubt hätten sie zu besitzen, wäre in uns ein Vakuum entstanden, welches wir dann in anderen Zeiten doch nur füllen würden, denn jeder Wunsch verlangt nach Erfüllung.

 

Wir sollten uns jedoch über unsere Kauflust nicht verurteilen, denn dies ist ein menschliches Bedürfnis und wie alles, erfüllt es auch einen Zweck. Das, was wir besessen haben, brauchen wir in Zukunft nicht mehr, denn nun wissen wir, wie es sich anfühlt, es zu besitzen. Damit haben wir unsere menschliche Gier gestillt und können sie loslassen. Wir stehen dann zwar vor einem Müllberg, doch wir haben auch etwas daraus gelernt und sind wieder frei von Anhaftung. In Zukunft können wir den vielen Verlockungen leichter widerstehen, denn sie üben keine Anziehungskraft mehr auf uns aus.

 

Dieser menschliche Lernprozess hat leider zur Folge, dass wir unendliche Ressourcen an Rohstoffen verbrauchen, welche unsere Natur schädigt. Über die möglichen Folgen sollten wir nachdenken, bevor wir uns etwas anschaffen, denn dann fällt uns ein Verzicht schon viel leichter. In dieser Zeit haben wir ein Massenangebot an unnützen Dingen, die in kürzester Zeit wieder auf dem Müll landen. Vieles, was wir uns einbilden haben zu müssen, brauchen wir gar nicht.

 

Liebe Geschwister, manchmal ist es notwendig über unser verschwenderisches Verhalten nachzudenken. Die Natur bietet uns kostenlos so vieles, über das wir uns freuen können, ohne es gleich besitzen zu müssen. Der menschliche Schaffensdrang und unsere Gier nach Besitz sind leider nicht  immer mit dem Allgemeinwohl verträglich. Um unseren Fußabdruck auf der Erde möglichst klein zu halten, sollten wir statt wie bisher über Gigantismus, über Minimalismus nachdenken.

 

An den ausufernden Städten und der verheerenden Verschandelung unserer Landschaften sehen wir die Zerstörungskraft unserer zügellosen Wünsche. Dieser Anblick sollte uns zu bedenken geben und uns zur Abkehr von unserem übertriebenen Besitzstreben veranlassen. Damit täten wir für alle etwas Gutes. Je mehr die Menschheit wächst, umso mehr muss sich der Einzelne einschränken, um den Erhalt der Erde zu gewährleisten. Das ist Logik. Wie denkt ihr?

 

Obwohl ich weiß, dass ihr das alles auch wisst, so möchte ich euch trotzdem an eure Verantwortung dem Leben gegenüber erinnern. Lasst uns darüber nachdenken, wie wir diese schöne Erde erhalten können. Lasst uns gemeinsam Lösungen finden.

 

Nachdenken lohnt sich.

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