Artikel 06/2020

Heilung der Seele

 

 

Liebe Geschwister,

 

wir alle haben seelische Verletzungen in uns, seien sie aus der Kindheit, der Jugend, aus unglücklichen Beziehungen oder auch aus vergangenen Leben. Mobbing im Beruf oder Ärger mit Nachbarn und Freunden, alle diese Erlebnisse prägen unser Fühlen und unser Verhalten. Wir sind entweder Opfer oder Täter, in jedem Fall verläuft unser Leben nicht so harmonisch, wie wir uns das vorstellen. Solange wir unser Innerstes nicht geklärt haben, solange begegnen wir unseren „Spiegeln“, die uns aufzeigen, was bei uns nicht in Harmonie ist. Ein schiefer Blick oder ein falsches Wort lässt uns automatisch explodieren und auch mal ungerecht werden.

 

Obwohl wir meist auch nicht die Engel mit dem liebenswürdigsten Auftreten sind, erwarten wir von anderen, dass sie sich uns gegenüber immer korrekt verhalten müssten. Wenn allerdings unser Gegenüber ebenfalls noch mit vielen seelischen Wunden gezeichnet ist, dann können schon mal die Fetzen fliegen.

 

Wenn wir jedoch immer und immer wieder mit äußeren und inneren Widerständen kämpfen müssen, sollte uns dies sagen, dass sich daran etwas ändern muss. Zuerst jedoch muss in uns die Einsicht reifen, dass es vor allem an uns selbst liegt, wenn wir ständig mit andern im Clintch liegen. Wir haben dann ganz offensichtlich noch einiges nicht verstanden. Diesem Defizit gilt es auf die Spur zu kommen, doch vor allem müssen wir es auch ändern wollen.

 

Zunächst sollten wir unser Verhalten gegenüber unseren vermeintlichen Widersachern genau ansehen und auch unsere Gefühle dabei beobachten. Warum bringt uns dieser Mensch so auf die Palme? Meist sind es Bemerkungen oder ein bestimmtes Verhalten, was in uns Verärgerung auslöst. Was ist der Grund dafür, dass wir so extrem darauf reagieren? Welcher „Knopf“ wurde bei uns gedrückt? Bei näherem Hinsehen sind es fast immer nur banale Kleinigkeiten, die nicht der Rede wert wären, doch wir verspüren dabei eine aufkeimende Wut, die uns völlig aus der Ruhe bringt. Dabei verknüpfen wir die gefallenen Worte oder ein bestimmtes Verhalten mit erduldeten Ungerechtigkeiten aus der Vergangenheit, bei denen wir uns nicht wehren konnten.

 

Wenn wir diesen „Knopf“ erkannt haben, sollten wir tiefer in unser offensichtliches Trauma eintauchen, das Erlebte ansehen und dann loslassen. Manchmal jedoch sind die Erinnerungen daran so überwältigend, dass wir sie gar nicht ansehen können. Doch wenn wir unser Problem nicht erlösen, schwelt es weiter und macht uns immer wieder die Hölle heiß.

 

Sollten wir Gewalt im Elternhaus oder sexuellen Missbrauch oder andere Lieblosigkeiten erfahren haben, ist es enorm wichtig, den Peinigern vergeben zu können. Täter haben immer auch negative Prägungen in ihrem Leben erfahren, auch sie sind Opfer und Gefangene in ihrer Rolle. Sollte uns das Loslassen der erduldeten Schmach nicht sogleich gelingen, müssen wir uns unser Problem solange vor Augen führen, bis es uns gelingt, auch das letzte negative Verbindungsseil zu lösen. Dabei können uns geführte Meditationen behilflich sein. Wir müssen nicht alles alleine machen, es gibt auch zahlreiche spirituelle Medien und Gruppen, die uns dabei gerne helfen werden.

 

Auf diese Weise können wir nach und nach unsere seelischen Verletzungen ausheilen. Der Lohn für unsere Mühe ist die Einkehr einer inneren Ruhe, die uns endlich auch den ersehnten Frieden schenkt. Wir verspüren nach vollbrachter Heilung auch eine wohltuende Lockerheit im Umgang mit schwierigen Mitmenschen, denn wir müssen nicht mehr gegen ihre Attacken  ankämpfen, wir ruhen in uns selbst. Dieses Gefühl ist ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben.

 

Bitte denkt darüber nach

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