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Überholter Artikel 01/2020 Politikverdrossenheit
Liebe Geschwister, lasst uns über die derzeitigen politischen Verhältnisse nachdenken.
Jede Partei hat ein Programm, mit dessen Inhalte sie den wahlberechtigten Bürger für sich gewinnen will. Politiker machen Versprechungen und bieten sich den Bürgern an, ihre politischen Interessen zu vertreten. Wird dann eine Partei von der Mehrheit der Bürger gewählt, dann stellt sie die Regierung, welche dann für alle Bürger spricht und entscheidet. Diejenigen, die das jedoch nicht wollen, werden einfach überstimmt. Das ist Demokratie.
Dieses Wertesystem steht heute jedoch auf dem Prüfstand, weil die Versprechungen der Politiker und die Erwartungen der Bürger inhaltlich nicht mehr übereinstimmen. Der Bürger hat das Gefühl, er wird gegen seinen Willen fremdbestimmt. Das jedoch will er sich nicht länger gefallen lassen und drückt dies durch seine Wahl aus.
Was ist passiert, dass heute so viele Leute zu Protestwählern werden?
Politiker konnten lange Zeit entscheiden wie sie wollten und haben dadurch den Draht zum Volk verloren. Die Bürger sind von den politischen Entscheidungen irritiert und fragen sich, wessen Interessen denn ihre Vertreter vertreten. Regiert der Wille des Volkes oder regieren da nur noch Personen- und Interessensgruppen, die nur ihre persönlichen Vorstellungen verwirklichen wollen? Mit Demokratie hat das nicht mehr viel zu tun.
Politiker sollten sich klar darüber sein, dass sie für alle Bürger da sind und nicht nur für ihre Wähler. Oftmals fühlen sich auch Wähler von einer Partei getäuscht, wenn diese ihre Wahlversprechungen nicht einhalten. Die Menschen werden immer sensibler gegenüber Ungerechtigkeiten und Unwahrheiten und tun dies auch immer öfter kund. Ihr Vertrauen in die Parteien hat in den letzten Jahren schwer gelitten.
Politiker rätseln immer noch, wie es kommen konnte, dass große Volksparteien immer weniger Zustimmung aus dem Volk erfahren, wo sie doch vermeintlich alles für das Bürgerwohl tun. In ihren selbstherrlichen Überzeugungen, zu wissen was das Beste für ein Volk ist, hören sie nicht mehr auf das Volk was dieses wirklich will. Die Politik scheint derzeit nur darauf fixiert zu sein, die Welt zu einer Völkergemeinschaft zu verschmelzen, in eine Welt, in der sich alles vermischen soll.
Dies geht nun immer mehr Menschen zu weit, weil sie fürchten, ihre Wurzeln zu verlieren und sie dann im eigenen Land nichts mehr zu melden hätten. Sie fürchten um den Verlust ihrer Kultur und ihrer Bürgerrechte. Der ungezügelte Zustrom fremder Kulturen, der zurzeit stattfindet, macht vielen Bürgern große Angst. Sie fürchten sich vor einer feindlichen Übernahme. Wenn die Menschen sich in ihrem Land nicht mehr sicher fühlen und von ihren Volksvertretern nicht verstanden glauben, wird der innere Friede eines Landes nachhaltig gestört. Menschen die so ihr Heimatgefühl verlieren, fühlen auch keine Verantwortung mehr für ihr Land und begehren auf. Sie resignieren, demonstrieren, randalieren oder terrorisieren. Von diesen Ängsten gesteuert, können alle Arten von rechtswidrigem Verhalten entstehen. Politiker müssen die Befürchtungen er Einheimischen ernst nehmen und das Land besonnen und vorausschauend regieren. Vor allem müssen sie die Angst der Bürger auch ernst nehmen, indem sie das allgemeine Bürgerwohl im Auge behalten und entsprechende Beschlüsse fassen.
Die seit ein paar Jahren zu beobachtende Rechtsverschiebung ist der liberalen und progressiven Europapolitik geschuldet. Europa drängt auf Verschmelzung in allen Bereichen und bestimmt immer mehr über die Völkerrechte ihrer Mitgliedsstaaten. Europagegner fühlen sich bevormundet und wettern dagegen. Dieser Rechtstrend ist jedoch nicht nur ein europäisches, sondern auch ein weltweites Phänomen. Nicht alle Länder in der EU sind zu dieser „Vergesellschaftung“ bereit. Um noch mehr Aufstände zu vermeiden, sollten Politiker dem auch Rechnung tragen. Großbritannien hat die Bremsen angezogen und setzt nun den Brexit um. Jedes andere Land in der EU könnte dies auch.
Was kann denn die gebeutelten Parteien wieder glaubhafter und wählbar machen?
Die Meinungen der Bürger über die Unzuverlässigkeit einzelner Parteien, lassen sich nicht so schnell wieder ändern. Von Politikern erwartet man Fingerspitzengefühl und Weitsicht, doch diese sind in den letzten Jahren immer selbstherrlicher geworden, sodass sie ihre Glaubwürdigkeit weitestgehend verloren haben. Politiker müssen glaubhaft und zuverlässig sein, in allem was sie versprechen und tun. Außerdem sollten sie ehrenhafte Respektspersonen sein, die sich gegenseitig wertschätzen und sich nicht ständig untereinander beschimpfen und verunglimpfen. Sie müssen glaubhafte Vorbilder sein, damit man ihnen wieder vertrauen kann. Derzeit findet jedoch in den Parteien ein Hauen und Stechen statt – Jeder gegen Jeden – sodass hier eher weiteres Vertrauen in sie verloren geht.
Die Erstarkung der AFD ist der Höhepunkt der Politikverdrossenheit. Alle waren überrascht von ihrem Auftauchen. Presse und Politiker aus allen Parteien stürzen sich auf deren Parteivorstände und dämonisieren sie regelrecht. Dabei vergessen sie, dass diese Partei auch eine rechtsstaatliche Partei sein muss, denn sonst gäbe es sie ja nicht. Die derzeit reine Konzentration, sich nur auf diese Partei und ihre umstrittenen Anführer zu stürzen ist erschreckend zu beobachten und lässt an der Demokratie und am Rechtsstaat zweifeln. Doch wofür auch immer diese Partei steht, sie wird von vielen Wählern gewählt. Das ist Fakt und muss so auch von ihren Gegnern akzeptiert werden. Ihre Wähler als Populisten oder als Übleres zu bezeichnen und zu verurteilen zeugt in erster Linie von der Intoleranz gegenüber Andersdenkende. Wäre diese Partei rechtswidrig, hätte man sie doch verboten – oder nicht? Die Grünen und Linken hatten dasselbe Problem in ihrer Anfangszeit.
Selbstgefällige Politiker sollten sich von diesem neuen Feindbild lösen und stattdessen die Wähler befragen, weshalb sie diese Konkurrenz-Partei wählen. Was passt diesen Bürgern nicht an den Entscheidungen der bestehenden Regierungsparteien? Und dann, wenn sie den Grund erfahren und richtig gedeutet haben, müssen sie dieser Protest-Wählerschaft auch in ihren politischen Entscheidungen glaubhaft entgegenkommen. Das Umfrageergebnis jedoch wird von vielen Politikern nicht ernstgenommen und darum bleibt es bei der Parteienverdrossenheit und dem Zulauf zur AFD. So bleibt nur zu hoffen, dass diese Gegnerschaft nicht noch mehr eskaliert.
Die heutige Gesellschaft driftet immer weiter auseinander, sie verliert immer mehr ihren Zusammenhalt. Egoistisches und rücksichtsloses Verhalten breitet sich in allen Schichten immer mehr aus. Es scheint, als wolle nur jeder für sich den großen Reibach machen. Ich, Ich, Ich. Doch je egoistischer die Menschen werden, umso unzufriedener werden sie auch. So kann das jedoch nicht weitergehen, denn am Ende gäbe es nur noch Anarchie und Chaos.
Die Politik muss sich dem Zeitgeist anpassen und eine neue Richtung einschlagen. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, er hat auch eine Seele die ebenfalls genährt werden muss. Wertschätzung und Respekt, auch einem Gegner gegenüber, sind die Schlüssel zum friedvollen Miteinander. Menschliche Werte müssen wieder in den Vordergrund rücken, damit sich auch eine allgemeine Zufriedenheit einstellen kann. Wenn dies nicht gelingt geht es mit der Menschlichkeit weiter bergab. Die Talsohle wäre Krieg – Jeder gegen Jeden.
Liebe Geschwister, denkt darüber nach, was ihr vom Leben erwartet. Wartet nicht darauf, dass andere für euch eine heile Welt erschaffen. Ihr könnt nicht alles alleine schaffen, darum tut euch mit Gleichgesinnten zusammen und setzt eure idealen Visionen einer heilen Welt mit ihnen gemeinsam um. Gemeinsam seid ihr stark.
Sagt immer genau was ihr wollt. Bitte denkt darüber nach.
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