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Artikel 09/2021 Länder des Nahen Ostens
Liebe Geschwister,
am Beispiel Afghanistans sieht man, dass die Menschen dort keinen inneren Zusammenhalt kennen und darum leicht von Diktatoren unterjocht werden können. Als vor mehr als zwanzig Jahren die Menschenrechte im Land verlorenzugehen drohten, haben Amerikaner und Europäer versucht, das Land zu befrieden und geholfen, eine landeseigene militärische Verteidigung aufzubauen. Es wurden in dieser Zeit keine Kosten und Menschenopfer gescheut, das arme Land zu stabilisieren.
Nachdem nun die Weltmacht Amerika beschloss, die Macht in die eigenen Hände der Afghanen zu legen, fällt das Land wieder ins alte Chaos zurück. Die Amerikaner zogen ab und die Taliban rückten nach, noch bevor alle Alleierten abgezogen waren. Sie brachten das schwache Land nach kurzer Zeit schon wieder unter ihre menschenverachtende Fuchtel. Was dabei ablief, ist kaum zu glauben.
Aus den Reihen des afghanischen Militärs erfolgte kein erkennbarer Widerstand gegen den Vormarsch der Taliban, was ihnen leichtes Spiel machte, ihr altes Territorium wieder einzunehmen. Die landeseigenen Militärs hatten dem Vorrücken scheinbar nichts entgegenzusetzen, denn die verängstigten Soldaten flohen wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner in alle Richtungen auf und davon. Sie überließen ihrem Feind, kampflos und ohne Widerstand, ihre vom Westen und der USA gelieferten Waffen zur Selbstverteidigung. Es wurde von den Helfern rein gar nichts erreicht.
Was da geschah, war ein Trauerspiel und zeigt die Machtlosigkeit der Schwachen und auch der Mächtigen. Alle Bemühungen Afghanistan in ein freies und starkes Land zu verwandeln, sind gescheitert. Dem Volk ist scheinbar nicht zu helfen, denn sie verstehen es wohl nicht, sich militärisch selbständig zu organisieren. Eine effiziente Bündelung der landeseigenen Kräfte ist nicht möglich, da dem Volk scheinbar die geistige Kraft und der Wille zur Selbstverteidigung fehlen.
Das Problem der Völker im Nahen Osten und auch in Afrika sind die vielen unterschiedlichen Gruppierungen mit egoistischen Warlords, die sich untereinander nicht einigen können, im Terror jedoch stark sind. Dem menschenverachtenden Treiben in diesen Ländern zuzusehen, ist kaum auszuhalten. Die Politiker der zivilisierten Welt müssen sich jedoch neue wirkungsvollere Strategien ausdenken, um den Schwachen zu helfen.
Es geht jedoch nicht an, dass ein Volk ständig militärisch und wirtschaftlich für alle Zeiten von außen unterstützt werden muss, weil das Volk nicht fähig ist, sich selbst zu verteidigen. Hilfe von außen ist ein Fass ohne Boden, wie man nun erkennen muss. Alle umliegenden Völker in dieser Region haben dieses Problem, weshalb ihnen auf militärischem Weg nicht zu helfen ist. Für eine Demokratie, mit allen freiheitlichen Menschenrechten, sind diese Völker noch nicht reif genug. Durch ihre Zerstrittenheit und Hilflosigkeit ziehen sie immer wieder strenge diktatorische Regime an. So tragisch es für die Menschen dort auch ist, sie haben die Regierungen, die sie sich selbst zuzuschreiben haben.
Die USA hat bisher immer geglaubt, sie müsse den Weltpolizisten spielen, sie sehen nun hoffentlich ein, dass ihre Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Völker, außer Verluste und Niederlagen, nichts bringen. Außer Spesen nichts gewesen. Durch ihre Interventionen auf der ganzen Welt, haben sie für die Menschen dort nichts gewonnen, sondern nur ihr eigenes Land und ihr Ansehen geschwächt.
Länder wie die USA und Europa müssen noch lernen, dass sie nicht überall helfen können. Auch die Geldmittel der reichen Industrieländer sind nicht unerschöpflich, um die restliche Welt retten zu können. Überheblichkeit und Selbstüberschätzung kommen vor dem Fall, wie man sieht.
Ein Volk das frei sein will, muss aus sich heraus die Kraft aufbringen, um sich aus einer Unterdrückung zu befreien. Nur so hat die Freiheit für sie auch einen Wert. Leider ist es nun mal so, dass die Menschen fast nur aus Schaden und Leiden klug werden. Erst wenn der eigene Leidensdruck nicht mehr auszuhalten ist, werden ungeahnte Kräfte mobilisiert, um das eigene Schicksal zu ändern.
Dieser Prozess der Selbstfindung läuft in vielen unterentwickelten Ländern in der Welt ab, doch jede Einmischung von außen verzögert nur die eigene Entwicklung eines Volkes. Wer die inneren Strukturen eines Landes von außen verändern will, braucht einen langen Atem und noch mehr Geld. Schätzungsweise müsste ein Hilfseinsatz, wie in Afghanistan, wohl mindestens 200 Jahre dauern, um etwas zu bewirken. Doch wer kann schon so lange Händchen halten?
Die Welt steht derzeit vor weiteren noch größeren Herausforderungen durch die Pandemie und den Klimawandel, da bleibt nicht mehr viel Spielraum, um auch noch anderen großartig beizustehen. Die Klimakatastrophen, die sich bereits deutlich ankündigen, verlangen von jedem Land genug eigene Anstrengungen, um die Schäden klein zu halten. Sich sinnlos im Ausland zu verzetteln und das eigene Land zu vernachlässigen, wird bald nicht mehr möglich sein.
In Zukunft wird es wieder notwendig werden, die eigenen Grenzen stärker zu sichern, denn die globalen Umwälzungen, ob auf politischer Ebene oder durch Umweltveränderungen, werden neue Probleme bringen, die gelöst werden müssen. Stabilität im eigenen Land gewinnt wieder an Wichtigkeit und ist dringend notwendig, um den eigenen inneren Frieden zu gewährleisten.
Jeder Bürger hat die Pflicht, da wo er ist, sich mit aller Kraft für sein Land einzusetzen, denn die Freiheit ist heute wieder überall gefährdet. Es ist notwendig, überall wachsam zu bleiben, doch mit großspurigen militärischen Eingreifaktionen und Geld lässt sich in der Welt kein echter Frieden erringen. Alle Waffenlieferungen zu stoppen, wäre wohl sinnvoller.
Die Lage ist ernst, seid auf der Hut. Verspielt unsere Freiheit nicht leichtfertig. Bitte denkt darüber nach.
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