Zwischenmenschliches Verhalten

 

 

Liebe Geschwister,

wenn ihr euren Ursprung nicht kennt, könnt ihr eure Mitte nicht finden. Das Übel in der Welt hat in der Unkenntnis des Selbstes seine Wurzeln. Der Mensch sucht unablässig nach dem Sinn des Lebens, doch wenn ein Puzzel an Wissen fehlt, lässt er sich leicht in die Irre führen. Das Ergebnis einer unklaren Sichtweise auf sich selbst, führt zu Fehlverhalten wie Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsdenken. Durch Fehleinschätzung kommt es zu Auswüchsen wie übertriebenes Sammeln von weltlichen Wertgegenständen, von grenzenlosem Machtstreben, zu Selbstsucht, zu Zügellosigkeit, zu Rücksichtslosigkeit sowie vielen anderen schädlichen Übertreibungen. Der Mensch erkennt seinen wahren Wert noch nicht. Die gemachten Erfahrungen und die daraus gezogenen Glaubenssätze bestimmen sein Verhalten.

 

Unsere Wertegesellschaft ist durch Leistung geprägt. Ein leistungsschwacher Mensch wird als geringwertig eingestuft und oftmals auch aus der Gesellschaft ausgestoßen. Dies führt bei den Betroffenen zu innerer Aufruhr und kann mit Hass auf die Gesellschaft enden. Die Kriminalstatistik eines Landes zeigt, wie es um eine Gesellschaft steht. Verbrecher werden verurteilt und weggesperrt, doch für die Prävention wird nichts getan. Dabei wäre es so wichtig gestrauchelten Mitmenschen psychologischen Beistand und Aufklärung zukommen zu lassen. Da es jedoch an geeigneten Sachverständigen fehlt werden diese sozialen Brennpunkte weiter bestehen.

 

Menschen beklagen sich auch zunehmend über zwischenmenschliches Fehlverhalten in der Arbeitswelt, wie Mobbing und Ausgrenzung. Der Leistungsdruck und Krankenstand nimmt laufend zu. Alles Alarmsignale die als Schwachstellen erkannt werden, worauf jedoch keinerlei Abhilfe geschaffen wird. Der Einzelne fühlt sich ausgeliefert und hilflos gegenüber einer Arbeitgeberallmacht. Menschen werden am Arbeitsplatz oftmals überfordert und wenn sie mit ihren Problemen nicht klar kommen, werden sie alleingelassen und aufs Abstellgleis geschoben. Doch das Gefühl der Machtlosigkeit und Wertlosigkeit führt früher oder später zu einer negativen Gegenreaktion. Hier wären psychologische und einfühlsame Fachleute bitter notwendig.

 

In Punkto Volkswohl liegt so vieles im Argen, doch es wird sträflich vernachlässigt, denn es fehlen neben Personal auch brauchbare und wirkungsvolle Konzepte. Hier wäre das Familienministerium gefragt und müsste um eine Bürgerbetreuungsstelle erweitert werden. Psychologische Betreuung der Leidgeplagten wäre vielleicht wichtiger als finanzielle Unterstützung. Die Not muss wohl noch größer werden um soziale Hilfsprojekte auf die Beine zu stellen. Die Politik ist gefragt, doch bei all den vielen anstehenden Problemen sieht diese keinen dringenden Handlungsbedarf.  

 

Wer stark genug ist, kann seine Probleme selbst bewältigen, doch dieser Idealfall trifft nicht auf alle Bürger zu. Es gibt eine große Anzahl Menschen die wirklich Hilfe von außen benötigten um ihr Leben menschenwürdig gestalten zu können. Leider ist nicht jeder Bürger mündig. Wirklich mündig ist ein Bürger erst dann, wenn er für sich selbst sorgen und auch zum Wohle aller beitragen kann. Bei körperlichem und geistigem Gebrechen besteht freilich eine Ausnahme, wenn diese nicht selbst für sich sorgen können. Doch dazu haben wir ja einen Sozialstaat.

 

Unsere Gesellschaft besteht aus vielen einzelnen Individuen und diese haben unterschiedliche Auffassungen und Befindlichkeiten. Diesen muss auch individuell Rechnung getragen werden. Wie eine Gesellschaft sich um das Gemeinwohl und den Einzelnen sorgt, lässt sich an den sozialen Schwachstellen ablesen. Altersarmut und Kinderarmut sind inzwischen zwar in den Fokus gerückt, doch über psychologische Unterstützung die den Selbstwert eines jeden erhöhen, hört man wenig wie gar nichts.

 

Wenn sich in einer Gesellschaft viele vernachlässigt fühlen, ist dies auch einer mangelnden gegenseitigen Achtung und Wertschätzung der Bürger untereinander geschuldet. Solange ein Gegeneinander statt ein Füreinander gepflegt wird, verroht und verkommt eine Gesellschaft immer mehr. Wie heute vielfach das Miteinander gestaltet wird, da braucht sich keiner über die zunehmende Gewaltbereitschaft wundern. Ein Mensch der anerkannt und wertgeschätzt wird, gibt dieses Gefühl gerne auch an andere weiter. Unsere Gesellschaft jedoch wird von falschen Werten geleitet. Eine Ellbogengesellschaft tritt nach den Schwächeren, anstatt sie zu unterstützen. Dies muss sich in unserer Gesellschaft noch dringend ändern.

 

Liebe Geschwister, die Not ist noch groß, doch mit gutem Willen und der Einsatzbereitschaft vieler helfender Hände lässt sich alles zum Guten ändern. Lasst nicht nach, an das Gute zu glauben und das Gute zu tun.

 

 

Ich grüße den Gott in euch

 

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