Artikel 01/2020

Loslassen lernen

 

 

Liebe Geschwister,

 

die Menschheit ist in dem Glauben erzogen, dass ihnen die Welt gehört. Dies ist ein kolossaler Irrtum, denn aus diesem Glauben erwächst vielerlei Verhängnisvolles. Viele Menschen zerstören in diesem Glauben die Umwelt und fühlen sich dazu auch noch berechtigt. Dieser Glaube muss berichtigt werden. Der Mensch sollte der Hüter und nicht der Herrscher der Welt sein.

 

Die ältere Generation, die noch stark in diesem Irrglauben erzogen wurde, kann sich nur schwer von diesem überholten Gedankengut trennen. Dazu gehört auch, dass sie sich von Posten, bei denen sie sich Macht, großes Ansehen oder Verdienste erworben haben, einfach nicht trennen können. Oftmals steht eine frustrierte Nachfolgegeneration schon längst in den Startlöchern und wartet vergeblich darauf, endlich die Nachfolge antreten zu dürfen.

 

Auf diese egoistische Weise nicht verzichten zu können, wird eine Welt von ewig Gestrigen regiert, die nicht daran denken, ihr Zepter an Jüngere abzugeben, obwohl jeder an ihren verknöcherten Entscheidungen sehen kann, dass sie der neuen Zeit nicht mehr gewachsen sind. Manche dieser uneinsichtigen Persönlichkeiten halten sich verbissen bis zu ihrem Tode an der Macht. Unter Politikern, Klerikern und Monarchen ist diese Praxis noch häufig zu beobachten. Sollte man diese Personen nun bewundern oder bemitleiden? Ist ihr Klammern an Pfründen purer Egoismus oder Pflichtbewusstsein?

 

Die Zeiten jedoch ändern sich und darum ist es nur recht, wenn auch eine jüngere Generation ans Ruder kommt. Schließlich ist es ihre Zukunft, über die entschieden wird. Es fällt verständlicherweise allen alten Machern und Machthabern schwer, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten, Machtstrukturen und Posten zu verabschieden, denn nach einer Übergabe ist es nicht sicher, ob der Nachfolger den Posten ebenso verantwortungsvoll ausfüllen kann. Dieses Risiko muss jedoch jede Generation eingehen.

 

Das Thema Loslassen sollte sich jeder Mensch schon frühzeitig im Leben zu Gemüte führen, um im Alter nicht an Vergänglichem zu haften. Doch auch vielen jungen Menschen fällt es schwer, sich von vermeintlichen Besitzansprüchen zu trennen, seien dies nun Dinge, Ehepartner oder Kinder. Beziehungen gehen in die Brüche, bei denen der Verlassene nicht loslassen will. Sterbefälle werden von den Zurückgebliebenen nicht immer schicksalsergeben hingenommen, viele trauern ewig den Verblichenen nach. Das alles müsste nicht sein, wenn der Mensch sein Menschsein akzeptieren würde und auf alle unausweichlichen und möglichen Trennungsszenarien vorbereitet wäre.

 

Wenn jeder Mensch doch die Einsicht hätte, dass ihm in Wahrheit nichts gehört, dann gäbe es auf der Welt auch nicht so viele Übergriffe auf fremde Länder oder fremden Besitz. Die Grenzen könnten weltweit geöffnet sein, wenn es jene nicht gäbe, die glauben, andere angreifen und bekriegen zu müssen. Jeder wäre richtig und zufrieden, da wo er gerade ist. Leider steckt in so vielen Köpfen noch die Gier, alles haben zu müssen.

 

Mit meinen Artikeln möchte ich erreichen, dass möglichst viele Menschen anfangen, ihre alten, überholten und lebensfeindlichen Glaubenssätze zu überdenken. Der Mensch sollte langsam anfangen nachzudenken, was er als vergängliches Wesen überhaupt zum Leben auf der Erde braucht. Der Mensch verdrängt leider seine Vergänglichkeit und nimmt sich alles ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Gier nach Konsum und Besitz ist scheinbar unersättlich. Viele Vergnügungen sind ebenfalls von verantwortungslosen Veranstaltern nur dazu da, um die Menschen zum Konsum zu verführen. Auch viele Feiertage sind schon zu Konsumtagen verkommen. Die Masse Mensch verhält sich wie eine Heuschreckenplage, die nie genug bekommt.

 

Es wird Zeit, dass auch die Masse anfängt, über ihr zügelloses Verhalten nachzudenken. Dieses gedankenlose in den Tag hinein leben kann sich die Menschheit auf Dauer nicht leisten. Wir haben nur ein begrenztes Leben und begrenzte Ressourcen auf diesem Planeten. Ein glückliches und zufriedenes Leben ist nicht abhängig vom Anhäufen weltlicher Güter oder von allen Arten von Vergnügungen. Unsere Seele verlangt ebenfalls nach Nahrung.  

 

Liebe Geschwister, ich weiß, es hört sich an, als wollte ich euch die Freude am Leben vermiesen, doch wenn ihr nachdenkt, müsst ihr mir beipflichten, dass sich an eurer Lebenseinstellung etwas ändern muss. Wenn euch am Wohl von Allem-was-ist etwas am Herzen liegt, dann überdenkt und ändert eure überzogenen Erwartungen und Vorstellungen an das Leben. Weniger ist mehr. Schaufelt nicht euer eigenes Grab, sondern überlegt euch neue zeitgemäße Lebensmodelle, die nicht zerstörerisch gegenüber dem Leben sind.  

 

Bitte denkt darüber nach.

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