Meine Lebenserfahrungen mit meinen Mitmenschen

 

 

Ich wuchs auf dem Land, in ruhiger Umgebung auf. Dort gab es nur meine Familie und ein paar Nachbarn. Es war eine vertraute friedliche und heile Welt. Es gab zwar auch die eine oder andere Nachbarschaftsquerele doch alles war überschaubar und weitestgehend harmonisch.

 

Mit 6 Jahren kam ich im Nachbardorf in die Schule, dort bekam mein vertrauensvolles Weltbild den ersten Dämpfer, denn nicht alle waren mir wohlgesinnt. Ich lerne die unangenehmen Seiten meiner Mitschüler kennen. Mobbing war ein Thema. Meine Schulzeit war kein Vergnügen.

 

Mit 14 kam ich in der nächstgelegenen Kleinstadt in die Lehre. Alles war wieder neu und aufregend. Ich fühlte mich frei und allem gewachsen. Meine Abenteuerlust wurde voll befriedigt. Ich traf mich gerne mit Gleichgesinnten und diskutierte begeistert über Gott und die Welt. Die Welt war für mich, trotz einiger Tiefschläge, noch schwer in Ordnung. Ich glaubte an das Gute in der Welt und war überzeugt, alles erreichen zu können was ich wollte.

 

Mit 17 kam ich dann nach München. Wieder in eine noch größere Stadt, die mir noch mehr Neues bot. Zu dieser Zeit war ich immer noch weltoffen und neugierig auf alles Fremde. Was kostet die Welt, war mein Motto. Ich wollte Menschen kennenlernen, die Welt erkunden und reiste damals sehr gerne und viel. Ich lernte Fremde als liebenswerte Freunde kennen und bewunderte ihre Kulturen und ihre Gastfreundschaft. In dieser Zeit sah ich alles durch eine rosarote Brille.

 

Im Laufe der weiteren Jahre lernte ich jedoch auch vermehrt die negativen Seiten des Miteinanders kennen. Der weltweite Terror, die vielen nicht endenden Kriege, die Verfolgungen und Vertreibungen, die vielen Toten und das Leid und Elend welches aus einem sinnlosen Gegeneinander entstand. Mobbing am Arbeitsplatz und auch privat war immer auch ein Thema. In mir machte sich eine immer größere Enttäuschung über die Menschen breit. Diese Ernüchterung wurde zu Misstrauen und führte immer mehr zur Ablehnung. Ich war nicht mehr neugierig auf alles Fremde. Heute muss ich mich immer wieder zügeln, um nicht alles negativ zu betrachten. Ich erkannte jedoch, dass wenn ich hinter jedem Gesicht Heimtücke und Falschheit sehen würde, mich meine Angst vor Nähe besiegen würde. In diesen Abgrund wollte ich nicht schauen.

 

Leider grub sich die Enttäuschung über den Zustand der Menschheit sehr tief in mich ein, sodass ich mich auch heute noch überwinden muss, allem Neuem und Fremden unvoreingenommen entgegenzutreten. Meine positive Grundeinstellung sagt mir jedoch, dass ich nicht alles über einen Kamm scheren darf. Heute bin ich nur noch traurig darüber, dass meine einstmals so kindliche Offenheit im Lauf meines Lebens so großen Schaden genommen hat. Ich sehne die Zeit der Herzensunschuld zurück, eine Zeit, die es vielleicht gar nicht gab, mir aber Frieden und Freude im menschlichen Umgang miteinander vermittelte. Ich vermisse die gegenseitige Wertschätzung sehr. Da negative Erfahrungen dazu führen misstrauisch zu werden, kann verloren gegangenes Vertrauen nur mühsam wieder aufgebaut werden. Leider werden Menschen von ihren Mitmenschen immer erneut enttäuscht, weshalb Herzenswunden oft auch nicht heilen können.

 

In jungen Jahren war ich sehr offenherzig und vertrauensselig und musste dann leidvoll lernen, dass nicht alles im Leben eitel Sonnenschein ist. Von Enttäuschung zu Enttäuschung baute sich im Laufe der Jahre eine hohe Mauer vor meinem Herzen auf, die ich nun versuche wieder einzureißen. Ein Mensch muss erst seine Göttlichkeit erkennen, um erfahrenes Unrecht verstehen und verzeihen zu können. Jedoch zu erwarten, dass jeder Mensch seinen Mitmenschen Vertrauen entgegenbringen müsste, ist unrealistisch. Es gibt bei einigen Menschen Mauern des Hasses die unüberwindlich sind, weil der Schmerz über erfahrenes Unrecht unermesslich ist. So einen Menschen zum Gutsein zu drängen erzeugt nur Widerstand und noch mehr Feindseligkeit.

 

Damit der Friede auf Erden Wirklichkeit werden könnte, müsste die Menschheit als Ganzes seelisch therapiert und geheilt werden. So aber, wie es jetzt läuft, müssen sich wohl die negativen Erfahrungen solange wiederholen bis jeder Mensch genug davon hat. Auf diesen Nimmerleinstag sollten wir jedoch nicht tatenlos warten, sondern jetzt darangehen, unseren leidenden Mitmenschen einen Weg aus diesem Jammertal aufzeigen. Den Weg des Leidens kennen wir alle zur Genüge, ihn sollten wir in Zukunft möglichst meiden. Der einzige Weg da heraus, ist der Weg der Freude. Dieser Spur sollten wir von jetzt an immer folgen. Um nicht wieder auf Abwege zu geraten, müssen wir unsere Achtsamkeit und Herzensweisheit ohne Unterlass schulen. Über das menschliche Gegeneinander – welches in vielen Teilen der Welt und auch in Teilen unserer Gesellschaft sichtbar ist - bin ich sehr betrübt und möchte meinen Beitrag zum Abbau von Missgunst und Misstrauen leisten, denn nur, wenn eine friedliche und wohlwollende Einstellung untereinander herrscht, können wir ein lebenswertes und sicheres Leben führen. Mit Anfeindung und Hass können wir keine friedliche Welt erschaffen.

 

Um jedoch den tiefen Argwohn gegenüber allen Fremden, der noch bei vielen Menschen herrscht, zu überwinden, braucht es Zeit um sich einander näher kennenzulernen. Eine aufgezwungene Migration fremder Menschen und ihrer Kulturen in ein anderes Land, führt da eher zu schwerwiegenden Widerständen in der Bevölkerung. Dieses Thema ist derzeit sehr brisant und spaltet die Gesellschaften in allen Ländern. Zu selbstloser Toleranz und Aufopferung ist nicht jeder Mensch fähig und bereit, darum muss die Politik, um den inneren Frieden eines Landes aufrechtzuerhalten, den Befindlichkeiten aller seiner Bürger Rechnung tragen. Bei aller Liebe und allem Verständnis für Offenheit, ich selbst bin auch keine Heilige, auch ich habe meine Grenzen der Zumutbarkeit. Da in meiner näheren Umgebung manchmal schon besorgniserregende Zustände herrschen, verstehe ich die Ängste und Bedenken meiner Mitmenschen vor Überfremdung sehr gut.

 

Der in der Gesellschaft verbreitete Argwohn, aufgrund des weltweiten Terrors, immer auf alles Negative vorbereitet sein zu müssen, vergiftet auf Dauer unser aller Zusammenleben und verschließt unsere Herzen voreinander. Wir müssen jedoch lernen diese Kluft zu überwinden, unsere Herzen wieder öffnen und unvoreingenommen aufeinander zugehen. Wenn wir uns noch mehr voneinander abschotten, bewirken wir nur ein noch feindlicheres Gegeneinander. Ich weiß, wie schwer es ist, ein verletztes und verschlossenes Herz wieder zu öffnen, doch es lohnt sich, denn es lässt hoffen, dass die Menschheit zu einem dauerhaften Frieden finden kann.

 

Liebe Geschwister, in jedem Einzelnen fängt der Friede an, darum überprüft auch ihr eure Einstellung gegenüber euren Nächsten und versucht euer Bestes zu geben. Unser aller Lohn ist der ersehnte dauerhafte Friede auf Erden.

 

Gott zum Gruße

 

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