Artikel 07/2020

Leben und Sterben

 

 

Liebe Geschwister,

 

warum ich immer wieder über dieses Thema schreibe hat den Grund, weil ich glaube, dass wir Menschen die Tatsache, dass wir alle dereinst sterben müssen, einfach verdrängen. Freilich, wer will schon gerne an seinen Tod erinnert werden? Ich finde jedoch, dass dieses Thema unbedingt vermehrt diskutiert werden sollte, um unser bisheriges Verhalten im Leben auch mal in Frage zu stellen, auch dann, wenn es uns gut geht. Dass unsere Seelen ewig leben ist für mich eine Gewissheit, doch das Leben in einem Körper auf der Erde währt nicht ewig. Diese begrenzte Zeit sollten wir für Sinnvolleres nutzen, als uns ständig anzufeinden und zu bekriegen.

 

Was mich beschäftigt und irritiert ist die Beobachtung, dass viele Mitmenschen so handeln, als würde sie diese Tatsache nicht betreffen. Ich denke da an Menschen, die im hohen Alter immer noch nicht genug haben, sei es Reichtum, Einfluss oder Macht. Greise in der Politik und in der Wirtschaft gibt es viele, sie tun so, als hätten sie noch ein ewig langes Leben vor sich. Zu denen zählen bekannte Personen der Weltbühne über 80, die einfach der Nachfolgegeneration das Feld nicht überlassen können. Dass sie in absehbarer Zeit auf natürliche Weise sterben werden, eben weil sie in die Jahre dafür gekommen sind, erkennen sie wohl nicht. Sie halten sich weiterhin für unentbehrlich und glauben, die Geschicke der Welt immer noch weiter beeinflussen zu müssen. Sie werden zwar bald nichts mehr davon haben, doch Loslassen kommt für sie einfach nicht in Frage. Ist das Altersstarrsinn - oder was?

 

Der Tod wird vielfach einfach als unnatürlich ausgeblendet und ignoriert, dies merkt man auch daran, dass viele Menschen glauben, andere Mitmenschen könnten ihnen etwas wegnehmen oder wären Abschaum und hätten kein Recht auf Leben. Nur wer den natürlichen Tod verdrängt, kann auf so irrwitzige Ideen kommen, seine Menschheitsgeschwister, aus welchen Gründen auch immer, umzubringen. Nationalismus, Rassismus und Kriege gehören in diese Kategorie der idiotischen Sichtweisen. Nur wer nicht nachdenkt kann glauben, einen alleinigen ewigen Anspruch auf irgendetwas zu haben.

 

 Der Tod ist jedem gewiss, darüber sollten wir Menschen öfter mal nachdenken, denn dann gäbe es so viele unnütze Konflikte und Streitereien erst gar nicht. Die Welt könnte ohne diesen Wahnsinn viel friedlicher sein. Das Thema Tod wird in der Gesellschaft leider nicht genügend kommuniziert, denn auch für viele Hinterbliebene kommt der Tod eines Angehörigen immer noch überraschend, so als wäre dies ein außergewöhnliches Ereignis.

 

Die Menschheit erneuert sich immer wieder, was so aussieht, als gäbe es den Tod nicht.  Solange eine Spezies existiert, geht das Leben freilich weiter, für den Einzelnen trifft dies jedoch nicht zu, denn er kann nichts mitnehmen, weder Geschlecht, Nationalität, noch Besitz. Der Einfluss eines Einzelnen auf das Leben auf der Erde endet mit dem Tod. Der Mensch wird zwar wiedergeboren, jedoch nicht mehr in derselben Konstellation. So kann z.B. ein Weißer als Schwarzer, ein Nazi als Jude, ein Reicher als Bettler, ein Mann als Frau, usw. wiedergeboren werden. Was einer in einem Leben verbockt hat, das erfährt er dann zum Ausgleich im nächsten Leben am eigenen Leib. Das Leben aus dieser Perspektive zu betrachten würde unser Zusammenleben erheblich entschärfen. Unsere Wertevorstellungen bekämen dann auch eine ganz andere Bedeutung als bisher. Dies hätte ebenfalls Auswirkungen auf die Zustände in unserer Gesellschaft sowie in unserem privaten und beruflichen Zusammenleben, denn einige Entscheidungen würden dann wohl ganz anders ausfallen. Angesichts der vielen Konfliktherde auf der Welt wäre ein Umdenken dringend notwendig.

 

Als Gesellschaft sollten wir uns folgende Fragen vermehrt stellen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Der Stachel Corona macht den Tod sichtbar, er könnte uns dabei helfen, neu über unsere Bedeutung als Menschheit nachzudenken. Viele schauen leider noch weg.  

 

Bitte denkt darüber nach.

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