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Artikel 10/2019 Grenzüberschreitungen nicht hinnehmen
Liebe Geschwister,
es ist ein Phänomen, wie manche Leute mit der Wahrheit umgehen. Manche nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau und wieder andere können kein offensichtliches Schuld- oder Fehlverhalten zugeben. Auch wenn sie dabei ertappt werden, winden sie sich wie eine Schlange und finden Ausreden, warum sie dieses oder jenes gemacht haben. Sie rechtfertigen sich mit haarsträubenden Argumenten und tun so, als wäre ihr Verhalten richtig gewesen. Sie können und wollen um keinen Preis einen Fehler zugeben. Ein unerklärliches Hindernis hält sie davon ab.
Statt einfach zu sagen, ja es war falsch, ich habe deine Grenzen überschritten, es tut mir leid. Ich sehe ein, dass ich dabei nicht genug überlegt habe und mir nicht bewusst war, dass ich dir mit meinem Verhalten schaden oder dich verletzen könnte. Bitte entschuldige, das wollte ich nicht. Und damit wären das Problem und der Ärger aus dem Weg geräumt.
Doch ganz „Schlaue“ drehen oftmals den Spieß um und sind ihrerseits beleidigt, weil sie gerügt wurden. Bekannte von mir z.B. sind mir wegen eines ihrer Vergehen seit über zehn Jahren beleidigt. Ich habe gewagt sie darauf hinzuweisen, dass sie meine Grenzen überschritten haben. Dies war nicht ihre erste Grenzüberschreitung, doch um des lieben Friedens willen habe ich bis dahin immer geschwiegen. Nachdem mir dann doch einmal der Kragen platzte und ich meinte, so geht das nicht, seitdem schweigen wir uns an. Ich verstehe dieses nachtragende und unversöhnliche Verhalten bis heute noch nicht.
Es geht jedoch nicht nur mir so, ich habe dieses Verhalten schon mehrmals auch bei anderen beobachtet. In meinen Augen ist dies eine total verkehrte Welt. Menschen, von denen man glaubt, sie wären weltoffen und umgänglich, stellen sich plötzlich als uneinsichtig und kaltherzig heraus. Bei Meinungsverschiedenheiten lernt man einen Menschen erst richtig kennen. Vorauszusetzen, dass jeder die Regeln des Anstandes kennt, ist leider ein naiver Irrtum.
Woher aber kommt dieses irrationale Verhalten?
Dabei wäre es meiner Meinung nach ganz einfach, einen Fehler zuzugeben. Wenn jedoch keine klärende Aussprache möglich ist, weil die Einsicht von einer Seite fehlt, schwelt so ein Konflikt bis in alle Ewigkeit weiter. Es ist unsagbar traurig, wenn Menschen sich wegen Kleinigkeiten entzweien, nur weil sie zu stolz und zu stur sind, um begangenes Unrecht zuzugeben. Natürlich hört sich keiner gerne eine Strafpredigt an, doch deswegen beleidigt zu sein, sagt aus, dass so ein Mensch noch keinen gefestigten Charakter hat.
Jeder weltoffene Mensch kann dazulernen. Wer jedoch die Wahrheit nicht aussprechen und begangenes Unrecht nicht zugeben kann, hat Probleme im Hals- und Herzchakra. Dazu bedarf es einer dringenden Klärung des Gefühls- und des Mentalkörpers. Zuallererst jedoch muss das Unrecht erkannt werden, bevor ein Verständigungsproblem behoben werden kann. Begangenes Unrecht zu erkennen, ist leider nicht jedermanns Sache, denn sie erfordert die Fähigkeit zur Einsicht und die ist wohl nicht allen gegeben. Allzu große Vertrauensseligkeit gegenüber seinen Mitmenschen wird darum oftmals enttäuscht. Selbst nach erkanntem Unrecht hat nicht jeder die Größe, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun. Wir Menschen müssen dies noch lernen.
Da viele Menschen (ich auch) ungeklärte Probleme mit sich herumschleppen, bräuchte es ein öffentliches Lehrfach in Umgangsformen und Psychologie, damit Missverständnisse dieser und ähnlicher Art erst gar nicht entstehen. Achtsamkeit sollte schon in Vorschulen gelehrt werden. Dafür gibt es einen dringenden Bedarf. Soziales Verhalten lässt sich nicht vorschreiben, doch wenn schon den Kindern einfachste Verhaltensregeln im friedlichen Umgang miteinander beigebracht werden, dann hat ein Erwachsener es leichter, sich daran zu erinnern.
Werdende Eltern sollten vielleicht ebenfalls, schon während der Schwangerschaft, an Kursen: „Wie erziehe ich mein Kind zu einem achtsamen Menschen“, teilnehmen. Wenn schon negatives Denken und Verhalten über Generationen weitergegeben werden kann, warum sollte es mit dem positiven Verhalten und Denken nicht auch so gehen? Die Sprösslinge übernehmen doch später meist die Ansichten und das Verhalten ihrer Eltern.
Ein Elternführerschein wäre da manchmal wirklich nicht so verkehrt. Viele Menschen haben damit keine Probleme, doch es gibt noch eine Menge Leute, die sich nicht benehmen können. Manche brauchen einfach Nachhilfe. Es wäre die Aufgabe einer intakten Gesellschaft, ihre schwächeren und überforderten Mitglieder zu unterstützen.
Seid also immer respektvoll und achtsam im Umgang miteinander, denn nur so können wir Frieden auf der Welt schaffen. Bringt eure offenen Baustellen noch in diesem Leben zum Abschluss, denn wenn ihr nicht verzeihen könnt, werdet ihr diese Bürde von Leben zu Leben mit euch schleppen, solange, bis ihr den Sinn dahinter verstanden habt. Wenn jeder bei sich anfängt und sein Innerstes klärt, gibt es bald keine Kriege mehr. Wäre das nicht wunderbar?
Bitte denkt darüber nach.
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