Artikel 10/2019

Handeln zum Wohle aller

 

 

Liebe Geschwister,

 

in unserer Gesellschaft muss sich dringend etwas ändern. Derzeit läuft alles darauf hinaus, dass die Erde dem gedankenlosen Treiben der Menschen nicht länger standhalten kann. Die Natur zeigt deutlich ihr Missbehagen darüber. Wie spät es ist, muss ich nicht wiederholen. Die Gier von uns Menschen hat eine zerstörerische Dimension erreicht, dem Einhalt geboten werden muss. Der anhaltende Trend  geht jedoch zu immer mehr Ausbeutung, denn wir wollen eine ständige Vermehrung seiner persönlichen Habe. Das was wir haben, ist nach kürzester Zeit nicht mehr gut genug und wird von uns gedankenlos auf den Müll gekippt. Spekulationsgewinne verführen zu immer noch mehr Gier. Unsere Gier und unser verantwortungsloses Verhalten gegenüber der Natur zerstört unsere eigene Lebensgrundlage. Der Exodus ist – wenn es so weitergeht - vorgezeichnet.  

 

Was also muss geschehen, damit die Menschheit sich selbst und den Planeten nicht zerstört?

 

Die Gemeinschaft muss wieder näher zusammenrücken und sozialer werden. In schweren Zeiten ist der Mensch dazu fähig seinen notleidenden Geschwistern zu helfen, doch in Zeiten des Überflusses gehen viele menschliche Werte verloren. Rücksichtname und Gemeinschaftssinn werden nicht mehr geschätzt. In der Folge zeigt sich grenzenloser Egoismus.

 

Es ist wichtig, dass jeder Mensch Zugang zur Bildung hat, doch er muss auch erkennen, dass verantwortungsvolles ökologisches, soziales und moralisches Verhalten in einer gesunden Zivilisation notwendig sind. Jeder Mensch muss erkennen, dass er sich durch egoistisches Denken und Handeln nur selbst schadet. Dies zu verstehen, davon ist die Gesellschaft leider noch weit entfernt. Menschliche Werte werden jedoch in der Zukunft immer wichtiger. Der ganze Reichtum nutzt dem Menschen nichts, wenn er sich in diesem Tempo selbst zerstört.

 

Der ungezügelte Erlebnishunger und das Streben nach persönlichen Vorteilen hat das menschliche Denken und Handeln voll im Würgegriff. Fernreisen und Erlebniswelten verbrauchen unendlich viele Ressourcen und das Ende der Sucht nach Vergnügen und Höchstleistung ist nicht abzusehen. Wäre es da nicht schöner, Freunde in der Ferne zu besuchen und bei ihnen zu übernachten, als die Landschaft mit Hotelbunkern zuzupflastern? Doch jeder muss alles gesehen haben und überall gewesen sein, nur um angeben zu können. Jeder will heute auffallen und ein Star sein. Jeder will besser sein als der andere. Die Einbildung, der Erste und Beste sein zu müssen, erzeugt Konkurrenzdenken, Gegnerschaft und Abwertung.

 

Der Mensch von heute kann mit sich selbst nichts mehr anfangen. Luxus und Vergnügungssucht lassen ihn innerlich immer mehr verarmen. Seine innere Leere wird jedoch durch äußere Ablenkung und materiellen Reichtum nicht gefüllt. Der Mensch lebt nur im Außen und denkt nur an sich selbst. Er hat seine inneren Wurzeln verloren. Kein Wunder, wenn er sich langweilt und immer nach dem nächsten Kick sucht.

 

Leider sieht es nicht danach aus, als würde der Mensch seine Verantwortung gegenüber der Schöpfung übernehmen können. Er erkennt immer noch nicht, dass es um seine eigene Existenz geht, die auf dem Spiel steht. Jeder Einzelne ist davon betroffen. Keiner kann sich aus der Verantwortung stehlen.

 

Was ist notwendig, damit der Mensch die Folgen seines Tuns erkennt?

 

Der Mensch ist darauf fixiert, unentwegt etwas leisten zu müssen und seine Leistung immer mehr zu steigern. Geradeso als müsse er ständig einen neuen Rekord aufstellen. Die leistungsorientierte Gesellschaft verachtet Menschen, die dem System nicht folgen wollen oder nicht können. Diese Menschen werden als asozial abgestempelt, von der Gesellschaft ausgeschlossen und ins Abseits gedrängt. Dieses Denken und Verhalten ist in der Folge verheerend, denn jeder, der Angst vor einem sozialen Abstieg hat, wird sich vermehrt anstrengen, um dieses Schicksal nicht zu erleiden. Er will unbedingt aus jeglicher Abhängigkeit entfliehen und glaubt, nur durch Erfolg und durch persönlichen Reichtum angesehen zu sein. Ein Ende der Leistungsspirale ist somit nicht in Sicht.

 

Solange jedoch die Vorstellung herrscht, dass nur Leistung zählt, solange wird der Gesellschaftsdruck auf den Einzelnen immer größer. Doch der Druck, sich anzustrengen und etwas erreichen zu müssen, trägt dazu bei, dass Mensch und Natur immer mehr ausgebeutet werden. Dies ist ein ewiger Wettlauf, der nicht gewonnen werden kann. Der Mensch muss wieder zur Besinnung kommen und kürzertreten.

 

Die Gesellschaft muss lernen, diese negativen und schädlichen Sichtweisen zu überdenken und sie muss für das Wohlbefinden jedes einzelnen Gesellschaftsmitgliedes sorgen. Einer für alle, alle für einen. Die Angst um die eigene Existenz spaltet die Gesellschaft, denn sie fördert automatisch rücksichtsloses und egoistisches Verhalten. Die Schwächeren bleiben auf der Strecke.

 

Von der Politik müssen darum entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, die jedem Bürger ein sorgenfreies Leben gewährleistet, ohne zwangsweise etwas dafür leisten zu müssen. Die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen müssen immer abgedeckt sein, auch um den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten. Dies sollte ein Grundrecht werden. Diese Sicherheit verschafft den Menschen eine persönliche Freiheit, um sich selbst nach seinen Wünschen zu entfalten. Dieses Grundrecht nimmt den Druck von der Gesellschaft, unter allen Umständen immer besser werden zu müssen. Je entspannter eine Gesellschaft ist, umso weniger wird ein Ellbogendenken und der Zwang zur Anhäufung von Reichtum als nicht mehr notwendig empfunden. Das tut allen gut – der Natur und den Menschen.

 

Das Denken der derzeitigen Leistungsgesellschaft ist katastrophal und selbstzerstörerisch und kann keine Zukunft haben. Eine Änderung im Denken muss nicht zwangsläufig zu einem neuen Sozialismus oder einem Verbot von persönlichem Eigentum führen. Notwendig jedoch wird es in der Zukunft werden, die überhöhten Vermögen einzelner Menschen zu beschränken. Es muss darüber nachgedacht werden, was ein einzelner Mensch zum Leben braucht, ohne die Lebensgrundlage aller zu gefährden. Der Wohlstand sollte allen Menschen zur Verfügung stehen. Um dies zu verstehen ist es notwendig, im Menschen ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein zu erzeugen. Im Mittelpunkt allen Denkens muss das Wohl aller – der Natur und der Menschen - stehen. Wenn jeder diese Notwendigkeit einsieht, muss kein Zwang ausgeübt werden, um der Vernunft zum Sieg zu verhelfen.

 

Denkt mal darüber nach.

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