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Geben und Nehmen
„Geben ist besser denn Nehmen“. Dies ist wohl ein wahres Sprichwort, aber Geben bedingt auch, dass jemand etwas nehmen will. Ohne einen Nehmenden hat der Gebende keine Möglichkeit etwas Gutes zu tun. Viele geben aus dem Grund, weil sie glauben sie hätten unrechtmäßig mehr als andere und fühlen sich darum zum Teilen verpflichtet, oder sie tun es um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. In jedem Fall fühlt sich Geben erhebend und erleichternd an während Nehmen eher erniedrigend ist. Ist Geben dann nicht egoistisch? Das kommt darauf an aus welcher Perspektive man es betrachtet. Einer der Alles hat braucht nichts mehr. Er fühlt sich vielleicht sogar beleidigt wenn er etwas annehmen sollte. Ein Bedürftiger dagegen nimmt gerne eine angebotene Gabe an. Wer also gerne geben will, ist auf das Vorhanden sein eines Bedürftigen und seine Bereitschaft etwas anzunehmen angewiesen. Diese Möglichkeit der Mildtätigkeit bietet sich in unserer Gesellschaft immer noch reichlich an. Es gibt viele Bedürftige die auf fremde Hilfe angewiesen sind und somit das Mitgefühl im Mitmenschen erwecken. Somit kann das Nehmen auch wiederum eine gute Tat sein. Wer nicht aus reinem Herzen geben kann, sollte dann auch kein schlechtes Gewissen haben wenn er nichts geben will. Die Bitte eines Bettlers um eine milde Gabe abzulehnen, bedeutet jedoch auch eine verpasste Gelegenheit etwas Gutes zu tun. Meist jedoch bleibt ein fahler Geschmack zurück. Das Geben in Erwartung einer Gegenleistung, in Form von Dankbarkeit oder Unterwürfigkeit, schmälert den Wert der Gabe. Es ist darum auch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass Geben egoistisch sein kann. Wer also gibt, sollte dies aus reinem Herzen und ohne Hintergedanken tun. Dies jedoch trifft eher auf das Geben und Nehmen von materiellen Gaben zu. Nächstenliebe, Wohlwollen, Wertschätzung und Wissen hingegen kann jeder Mensch geben und auch annehmen. Doch nichts kann jemanden – auch das Gute nicht - aufgezwungen werden, denn auch hier gilt der freie Wille, ein Hilfsangebot anzunehmen oder eigenes Wissen weitergeben zu wollen. Geben kann allerdings nur der, der auch etwas zu geben hat und dessen Herz überquillt.
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