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Artikel 06/20 Der Turmbau von Babel Die Geschichte um den Turmbau von Babel passt auch gut in unsere heutige Zeit.
Liebe Geschwister,
in den Medien wird heute viel von der Spaltung der Gesellschaft gesprochen, denn es macht sich zunehmend immer mehr Unmut über die desolaten Zustände in der Welt breit. Wer genau hinschaut, kann tatsächlich schon zwei getrennte Lager erkennen. Ein Für und Wider in den Meinungen gab es zwar immer schon, doch wurde es noch nie so vehement ausgefochten wie in dieser Zeit. Sobald Situationen auftreten, mit denen nicht jeder einverstanden ist, geht heute ein immer größer werdender Teil der Bürger auf die Straße. Das ist erst mal gut so, doch die Proteste und Demos werden auch von immer mehr gewaltbereiten Bürgern begleitet, die einfach nur ihren Zorn und Hass in die Welt hinausschreien wollen. Das zu beobachtende Phänomen stellt sich für Außenstehende so dar, dass jeder Protestler, ob mit oder ohne Sachverstand, bei allen Themen mitreden will, wobei jeder glaubt, dass seine Ansicht die alleingültige wäre. Dass bei 1000 verschiedenen Meinungen nichts Vernünftiges herauskommen kann, sollte eigentlich jedem klar sein. Beim Turmbau von Babel wollte auch keiner mehr auf die Fachleute hören und so geriet der Turm krumm und schief, bis er dann unweigerlich einstürzen musste.
Heute glaubt beinah jeder ein Fachmann zu sein, doch wenn jeder glaubt, alles besser zu wissen als ernsthafte Wissenschaftler, dann ist eine Einigung in strittigen Fragen nicht mehr möglich und wenn dann auch noch jeder gegen jeden ist, haben wir es mit einer heillos zerstrittenen Gesellschaft zu tun, die nur Chaos erzeugen kann. Das Tragische dabei ist, dass viele glauben, sie müssten sich für ihr Anliegen notfalls auch mit Gewalt Gehör verschaffen. Das kann nur in eine fatale Richtung führen, die keiner will. Protestveranstaltungen sind zu beliebten Treffpunkten für marodierende und randalierende Gruppen geworden, wobei jegliche Vernunft auf der Strecke bleibt. Das Ende vom Lied wird sein, dass wenn die Ausschreitungen immer mehr und immer zerstörerische Ausmaße annehmen, unser Demonstrationsrecht beschnitten werden muss. Soweit denkt wieder keiner.
Mit Augenmaß vorzugehen, dafür nimmt sich kaum noch ein empörter Aktivist Zeit und leider lassen sich viele unzufriedene Bürger auch allzu leicht von allen Seiten beeinflussen. Die Meinung des lautesten Schreihalses wird dabei gerne übernommen. Wenn unter denen einer ist, der die Masse aktivieren kann und zu Gewalttaten aufruft, dann könnte es sein, dass dann wieder alle nach Krieg schreien. Diese Gefahr besteht leider auch heute wieder, besonders in Zeiten, wenn das Brot- und Spieleangebot der Masse nicht mehr genügt.
Was ist nur mit den Menschen los? Was spielt sich da in ihren Köpfen ab?
Jeder will überall dabei sein, jeder will der Wichtigste sein, scheinbar kann keiner mehr etwas mit sich selbst anfangen. Inzwischen laufen Millionen von Selbstdarstellern durch die Straßen und suchen begierig nach einem Publikum, doch auch das Publikum will zu den Darstellern gehören. So jagt eine Story die nächste, Spekulationen werden zu Tatsachen verdreht, hinter allen politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen werden Verschwörungen vermutet und vieles Absurde mehr. Wer blickt da noch durch? Die Welt scheint außer Rand und Band zu sein. Hat die Gesellschaft den Verstand verloren?
Dieses Possenspiel schaukelt sich von Mal zu Mal immer mehr auf und läuft wohl noch so lange, bis einer kommt der glaubt, er müsse die Masse mundtot machen, weil sie sonst nicht mehr zu bändigen wäre. Das aber könnte nur heißen, dass wieder ein Diktator aufersteht und die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Die Aussichten scheinen trübe, doch wie kann eine so zerstrittene und demonstrationsfreudige Gesellschaft wieder zur Vernunft kommen?
Liebe Geschwister, geht in euch und wehret den Anfängen. Lasst euch nicht vom falschen Schein blenden und denkt immer erst nach, bevor ihr etwas macht, das dann allen schaden könnte. Protest ist gut, doch mit gutem Beispiel vorangehen ist besser.
Mit vielem, was heute auf der Weltbühne gespielt wird, kann der Bürger aber auch nicht einverstanden sein, denn unsere Gesellschaftsprobleme sind leider vielfach von „Entscheidungsträgern mit Scheuklappen“ herbeigeführt. Die allgemeine Unzufriedenheit jedoch nimmt nach Fehlentscheidungen in Wirtschaft und Politik zu und die Folgen davon sind nun mal vermehrte Proteste. Die Bürger sind es leid, dass auf ihrem Rücken alles, was andere falsch machen, ausgetragen wird.
Was aber macht die Menschen heute allgemein so unzufrieden?
Die Menschen wollen keine Kompromisse mehr. sie haben Ideale im Kopf, die immer stärker beachtet werden wollen, doch viele fühlen sich machtlos, ihr Leben so zu gestalten wie sie das gerne hätten. Da sie ihre Vorstellungen nicht umsetzen können, wächst in ihnen die Wut auf sich und die Welt. Viele geben der Gesellschaft die Schuld an ihren unbefriedigenden Lebensumständen und wollen darum diese sie einengende Gesellschaftsordnung sprengen. In Protesten und Ausschreitungen lassen viele ihre Wut an ihrer Umgebung aus. Dieses Verhalten kann jedoch nur zu Anarchie und Chaos führen. Würde die Polizei nicht einschreiten und die Aufstände niederschlagen, würden bald wilde Horden durch die Städte ziehen und alles niedermachen, was sich bewegt. Es ist eine sehr unruhige Zeit, in der wir gerade leben.
Diese latent bestehende Wut lässt sich jedoch nicht ganz unterdrücken, sie sucht sich wieder und wieder ein Ventil und die erhitzten Gemüter beruhigen sich oft erst dann wieder für eine Weile, wenn eine kriegerische Aktion stattfand und alle Mitglieder einer Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diese Art der Bewegung kann in allen Krisenherden rund um den Globus beobachtet werden.
Wenn nach Kriegsende alles am Boden liegt, beginnt der Wiederaufbau, ein kleines Wirtschaftswunder macht neue Hoffnung und wachsender Wohlstand treibt neue Blüten, doch es bleiben dann leider auch wieder viele in Armut und Elend zurück und der Zyklus beginnt aufs Neue. Dieser ständige Kreislauf in der Menschheitsgeschichte lässt sich scheinbar nicht ändern, denn die Weltgemeinschaft besteht aus zu vielen unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Vorstellungen. Müssen wir diesen zerstörerischen Kreislauf als gegeben hinnehmen?
Die einzige Möglichkeit, um den Frieden dauerhaft zu wahren, wäre, die Gemüter und das Denken jedes einzelnen Menschen auf ein hohes Niveau an Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstverantwortung zu heben. Doch da nicht jedem Menschen genügend Verstand und Einsichtsfähigkeit gegeben ist, um an seiner Ego-Persönlichkeit zu feilen, bleibt diese Vorstellung nur ein ferner Traum. Potentiell jedoch sind alle Menschen Schöpfer, die sehr wohl ihre Lebensumstände zu ihrer eigenen Zufriedenheit ändern könnten. Leider fehlt es an Spezialisten, welche die Masse aufklären und anleiten könnten. Ein Heiland muss da wohl erst wieder geboren werden.
Sollte das schier Unmögliche dennoch versucht werden, ist das Erste, was jeder Mensch lernen muss, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist. Zu dieser Einsicht zu gelangen, ist die Ausgangsbasis für ein weiteres Verstehen, um sein eigener Herr werden zu können. Der einzelne Mensch muss sich selbst ändern wollen, doch er will leider immer nur, dass die andern sich ändern sollen. Dies führt nur zu Schuldzuweisungen, die so wirken, als würde man Öl ins Feuer kippen.
Bitte denkt darüber nach.
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